Barbara Schedl
barbara.schedl@univie.ac.at

... von Burgen, Kapellen und Klosterkirchen ...
Virtuelle Mediaevistik als Wissensvermittlung

Computerrekonstruktionen oder CAD-Modelle nehmen in den historischen Disziplinen vor allem aber in der Kunstgeschichte bzw. bauhistorischen Forschung einen immer wichtigeren Platz ein. Es gibt kaum eine Museumspräsentation oder Ausstellung, die ohne eine Computeranimation und einer Visualisierung auskommt.
Was sind nun die Besonderheiten von CAD-Modellen, wie geht die historische Wissenschaft besonders die Kunstgeschichte damit um? Was ist nützlich? Was ist weniger wünschenswert? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion und harren dringend einer Antwort, angesichts der raschen Hard- und Softwareentwicklung in der Multimediabranche.
Der Prozess einer exakten Rekonstruktion historischer Objekte am Computer ist ein diffiziler - oft eine Gradwanderung zwischen methodischer Exaktheit und Kompromisslösungen. Nicht nur für den Techniker, sondern auch für die jeweilige wissenschaftliche Disziplin stellt die Methode der Visualisierung, in welchem Detaillierungsgrad auch immer, eine der größten Herausforderungen dar. Am Ende steht aber dann ein Bild eines dreidimensionalen Objektes, das beim User bzw. Betrachter Suggestionen erzeugt - allerdings die einzelnen methodischen interdisziplinären Vorgänge, die dazu geführt haben, lassen sich kaum mehr nachvollziehen.
Der gegenständliche Beitrag stellt diese Problematik in den Mittelpunkt und bietet anhand einiger bereits visualisierter Objekte (Burg Starhemberg in Niederösterreich, die Klosterbauten von Cluny I und II, die ehemalige Dominikanerinnenkirche in Tulln, das Riesentor von Stephan in Wien, die Virgilkapelle in Wien) Lösungsmöglichkeiten an, wie exakte interdisziplinäre Forschung - die ja Voraussetzung für eine qualitätsvolle Rekonstruktion ist - am virtuellen Modell selbst abrufbar gemacht werden kann. Um dieses Konzept erfolgreich umsetzen zu können, wurde dafür eine eigene Publikationsreihe mit dem Namen "virtuelle Mediaevistik" gegründet, die sich speziell dieser Aufgabenstellung annimmt.