3; Rennweg 44
     

Das Baugelände Rennweg 44, mitten im 3.Wiener Gemeindebezirk,wo sich vom1. bis 3. nachchristlichen Jahrhundert die "mit dem Legionslager Vindobona in Zusammenhang stehende" römische Zivilsiedlung befunden haben dürfte, wurde 1989/90 archäologisch untersucht. Überreste von Mauern, Fussböden, Feuerstellen und zahlreiche Gruben verschiedener Funktion wurden ausgegraben. Aus den Benutzungshorizonten, den Planierschichten, aber vor allem aus den Verfüllungen der Gruben kam ein überaus reichhaltiges Fundmaterial zum Vorschein.

Die Umstände der Grabungen
Das Grabungsgelände Rennweg 44 (EZ1328,GST. Nr. 871) be¢ndet sich in der Katastralgemeinde Landstrasse. 1984 wurde der Abbruch der Gebäude der k. k. Tabak-Hauptfabrik, die im 19. Jahrhundert erbaut worden ist und zuletzt in Besitz und Verwendung der Österreichischen Staatsdruckerei war, eingereicht. Die Errichtung eines Büro- und Geschäftshauses für die Österreichische Lotterien GesmbH durch die Universale Bau AG wurde geplant. Da das Baugelände im Bereich der römischen Zivilsiedlung und zudem an der Limesstrasse von Vindobona nach Carnuntum lag, war mit archäologischen Funden zu rechnen. 1988 schlug der Stadtarchäologe O. Harl vor, zwei ca. 25 m2 grosse Suchschnitte anzulegen, um die Mächtigkeit der Kulturschichten festzustellen. Im April 1989 wurden für eine archäologische Voruntersuchung mit einem Bagger Suchschnitte ausgehoben. Bereits diese Probegrabungen förderten einige bemerkenswerte Funde zutage. Die Befunde deuteten auf Holzbauten, Feuerstellen und Brunnen hin.
Dies führte vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten zu Ausgrabungen, die zwischen Juli 1989 bis Anfang Februar 1990 von der Stadtarchäologie Wien durchgeführt und vom Bauträger finanziert wurden.

Zunächst wurden die rezenten Schuttschichten und teilweise die oberen unklaren Kulturschichten maschinell entfernt. Bald nach Beginn der Grabungsarbeiten ortete man mit dem Metallsuchgerät in der abgebaggerten Fläche einen Münzhort, der 1202 Silber- und sieben Goldmünzen barg. Danach wurde begonnen, in der in Messquadranten (d. h. meist keine Profilstege zwischen den Quadranten) aufgeteilten Fläche die Strukturen
freizulegen. Abhängig von deren Vorhandensein und Beschaffenheit wurde unterschiedlich tief gegraben. Eine Schichtgrabung war jedoch nicht angestrebt, sondern das Augenmerk lag auf der Erfassung der Baustrukturen und dem Bergen der Funde. Als Fundort der Objekte wurde ausschliesslich die Bezeichnung des Quadranten und das Planum vermerkt.

Eine Zuordnung zum jeweiligen Befund oder zur Schicht, aus welcher sie gestammt haben müssen, erfolgte nicht. Verschiedene Plana wurden zeichnerisch dokumentiert und schliesslich wurden einzelne Befunde, wie Gruben, untersucht und ausgegraben. Eine genaue Beschreibung der Befunde wurde verspätet begonnen und nicht mehr fertig gestellt.

Die Grabungsdokumentation konnte auch wegen Personalmangels nicht in wünschenswerter Korrektheit durchgeführt werden. Daraus resultieren zahlreiche Unsicherheiten in der Interpretation der Befunde und der Fundzuweisungen.
Im Dezember 1990, nachdem das Niveau in der Baufläche um 9 m abgesenkt worden war, konnten einige der immer noch tiefer reichenden Brunnen etwas weiter ausgegraben werden.

 

(Michaela Müller)