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Im
Zuge von Renovierungsarbeiten in der Heiligenstädter Kirche zum hl.
Jakob wurden durch die Ur- und Frühgeschichtliche Abteilung des Historischen
Museums der Stadt Wien, unter der Leitung von A. Neumann, in den Jahren
1952/53 Ausgrabungen durchgeführt. Nach Abschluss der Arbeiten konservierte
man Teile der Grabungsbefunde direkt unter dem heutigen Altarraum und
richtete einen Schauraum ein. Im Auftrag der Severin-Gesellschaft der
Pfarre St. Jakob wurden am 12. und 13. Dezember 2002 von Mitarbeitern
der Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie Säuberungsarbeiten
am erhaltenen Mauerwerk sowie den verbliebenen Erdbefunden ausgeführt.
Dies bot auch Gelegenheit, den Erhaltungszustand der antiken Strukturen
und die Zweckmässigkeit erfolgter Festigungsmassnahmen zu beobachten.
Ein Umstand, der angesichts nicht dokumentierter restauratorischer Massnahmen
von grosser Wichtigkeit ist.
Die
Befunde der Grabung der 50er Jahre
Als wichtigste Befunde der Grabung von 1952/53 wurden Reste eines N-S
orientierten römischen Pfeilerbaus mit einer Ausdehnung von ca. 10,5x5m
freigelegt, der von Neumann als möglicher Werkstätten-oder Magazinbau
des römischen Militärs interpretiert und von ihm in das 2. bis
in das 4. Jahrhundert n. Chr. datiert wurde. Am mit elf erhaltenen (ursprünglich
15) Stützpfeilern versehenen Bau konnten drei Phasen nachgewiesen
werden.
Die folgende und letzte Nutzung zeigte sich durch zwei rechteckige, N-S
orientierte Einfassungen aus Steinen und römischen Ziegeln, die im
Inneren im SO an das römische Mauerwerk angesetzt worden waren. Sie
wurden gleich nach ihrer Aufdeckung als frühchristliches Grab und
Taufbecken interpretiert undmit der Bestattung des hl. Severin (482)
an seiner Wirkungsstätte Favianis in Verbindung gebracht. Von einer
als vorromanisch datierten Kirche wurden Teile der Langhausmauern unter
dem bestehenden Bau und die ursprüngliche W-Mauer im Kirchenschiff
freigelegt. In romanischer Zeit wurde die Kirche nach Westen und o¡ensichtlich
auch nach Osten erweitert. Für zwei mächtige Blockfundamente
mit Steinabdeckung blieben sowohl die Datierung als auch die Funktion
ungeklärt.
Des Weiteren konnten Strukturen bis in die Neuzeit verfolgt werden, so
z. B. Bestattungen aus dem 18. Jahrhundert unter dem heutigen Hauptschiff.
Die erhaltenen Teile der Ausgrabung befinden sich ca. 1m unter dem heutigen
Niveau des Kirchenfussbodens, lediglich die beiden Pfeiler/Blockfundamente
reichen bis auf ca. 2m hinab.
Da
der Kern des bestehenden Baus auf eine vorromanische und eine romanische
Kirche aus dem 12. Jahrhundert zurückgeht, war seit der Ausgrabung
die These einer kontinuierlichen Besiedlung des Ortes gegenwärtig.
Der wissenschaftliche Aufarbeiter der Grabung A. Neumann distanzierte
sich jedoch von der Severins-These, interpretierte die beiden Steinsetzungen
als spätrömisches Kindergrab (sog. Taufbecken) und einfaches
spätrömisches Erwachsenengrab (sog. Severin-Grab) und datierte
sie in nachvalentinianische Zeit.
(Ute
Scholz)
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