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Archäologische
Spuren beim Nikolaitor
Im Lainzer Tiergarten, in der Nähe des Nikolaitores, gibt es Hinweise
auf eine Siedlungstätigkeit in der Römerzeit und im Mittelalter.
Bei archäologischen Untersuchungen auf der Nikolaiwiese wurden etliche
Keramikbruchstücke des 2. Jahrhunderts n. Chr. und des späten
11. bis 13. Jahrhunderts gefunden.
Etwas oberhalb dieser Wiese, am Abhang des Nikolaibergs, erhebt sich die
spätromanische "Nikolaikapelle" (Abb. 1). Anschüttungen
unter der Kapelle und die Reste eines Wall-Grabensytems vor allem an ihrer
Nordseite deuten auf eine einstige hausbergartige Anlage hin. Als Hausberg
bezeichnet man einen befestigten kleinen Adelssitz Kirche auf einer künstlich
aufgeschütteten Erhöhung. Er kann aus einem festen Wohnhaus,
Wirtschaftsgebäuden und oft auch einer bestehen. Von den profanen
Gebäuden hat sich keines erhalten, aber die Keramikbruchstücke
(v. a. Geschirr und Kacheln) des 12. bis 16. Jahrhunderts, Tierknochen
als Speisereste und Metallobjekte, die in der und um die Nikolaikapelle
geborgen wurden, belegen eine Besiedlung.
Archäologische Forschungen in der Nikolaikapelle
In der Kapelle legte 1994 eine Grabung das mittelalterliche Altarfundament
und Reste eines mittelalterlichen Fußbodens frei, der sich nach
Nordosten senkte. Auf dieses Niveau wurde bei der jüngsten Restaurierung
Bezug genommen, wodurch auch die romanischen Säulenbasen wieder sichtbar
sind. (Abb. 2 Grabungsplan mit bauzeitlichen Befunden)
Bei der Ausgrabung wurden auch die massiven, ungefähr 2 m tief reichenden
Kapellenfundamente untersucht. Sie bestehen aus lagig vermörtelten
Bruchsteinen und gehören zur romanischen Bausubstanz. Unter den Estrichresten
fanden sich im nördlichen und östlichen Teil der Kapelle Planierschichten
mit Lehm und Steinen, die möglicherweise dort aufgebracht worden
waren, um die Geländeneigung der Kuppe auszugleichen und das Areal
zu vergrößern.
Als früheste Funde wurden aus einer Grube in der Südostecke
ein graphithaltiges Randbruchstück eines Topfes und ein ebenfalls
graphithaltiges Bruchstück eines Vorratsgefässes aus einer Grube
in der Nordwestecke geborgen. Beide lassen sich in das 12. Jahrhundert
datieren und befanden sich wohl ehemals in den unteren (Planier-) Schichten
oder der Baugrube der Fundamente.
Weiters wurden Keramikbruchstücke von Töpfen, Krügen, Bügelkannen,
Deckeln und einem Vorratsgefäß gefunden, die dem Hoch- und
Spätmittelalter zugewiesen werden können. Unter den keramischen
Fundobjekten können als Besonderheit zwei Bruchstücke von Reliefplatten
mit Kaltbemalung angeführt werden, wovon eine die Darstellung eines
Reiters wiedergibt. Auch vier Münzen, die Ende des 14. Jahrhunderts
und im 15. Jahrhundert geprägt wurden, kamen zu Tage.
(Abb. 3 Dia Überblick über die Grabung in der Nikolaikapelle
1994)
Geschichte der Nikolaikapelle
In einer Urkunde von 1321 sind die Nikolaikapelle und der Haushügel
unter den Eigen und Lehen des Ministerialengeschlechts der Zoller von
Rodaun genannt (Quellen zur Geschichte der Stadt Wien I/3 (Wien 1897)
162, Nr. 2953). In der Verkaufsurkunde ist zu lesen: "... Ayn halbe
haws stat da sand Nichlas chappelle avffe leit, die lehen von vns gewesen
ist, vnd den havs puhel halben vnd die leiten gar, die dabei leit, die
aygen sint" (Abb. 4)
Die Kapelle war früher dem hl. Nikolaus, dem Schutzpatron der Schiffer
als Fürbitter vor Hochwasser, geweiht.
Georg von Schönnberg, Probst von Pressburg und Pfarrer von Hütteldorf
legte als Kapplan sand Niclas kapelln Im holtz pey Uteldorf gelegn im
Jahr 1466 ein Grundbuch für die Nikolaikapelle an. Dadurch wurde
er lange Zeit als Erbauer der Nikolaikapelle angesehen. Bis 1469 gehörte
die Nikolaikapelle zum Dekanat Wien des Bistums Passau.
Im Jahr 1735 ließ der Pfarrer von Hütteldorf und erster Weihbischof
von Wien, Josef Heinrich Breitenbücher, die Kapelle auf eigene Kosten
reparieren.
Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts wurde sie durch die josephinischen
Reformen vorübergehend entweiht und war dem Verfall preisgegeben.
In den Jahren 1835-1837 veranlasste Erzherzog Ludwig eine umfangreiche
Renovierung. Anschließend wurde sie als kaiserliche Jagdkapelle
dem hl. Eustachius geweiht. (Abb. 5 In der Nikolaikapelle 2001, Blick
auf das Westportal)
(M.
Müller, Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie)
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