Schloss Kaiserebersdorf
 
 
 
Das Schloss
 
   

Von der mittelalterlichen Burg zum Schloss Kaiserebersdorf

Das Schloss von Kaiserebersdorf ist in seiner heutigen Form das Ergebnis einer Jahrhunderte andauernden Bautätigkeit, durch welche die Burg ab dem 13. Jh. allmählich wuchs, repariert und verändert wurde und sich im Sinne eines größeren Wohnkomforts zum Schloss entwickelte. Umfang und Aussehen der mittelalterlichen Burg lassen sich nur in Ansätzen rekonstruieren, ab dem beginnenden 16. Jahrhundert wird unser Bild jedoch deutlicher.
Im Jahr 1499 mußten die Ebersdorfer ihre Burg und die Herrschaft Ebersdorf an den Habsburger Maximilian I. (1493 - 1519) abtreten und in der Folge begann der Umbau zu einem Jagd und Lustschloss. Ab dieser Zeit erhellen einerseits erhaltene Abrechnungen die durchgeführten Bautätigkeiten, andererseits existieren ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Abbildungen, die wertvolle Hinweise auf die Bauentwicklung liefern.
In den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts mußte das Schloss erst wieder bewohnbar gemacht werden, in den 50er Jahren belegt das massive Ansteigen der Ausgaben einen Neu- und Umbau der gesamten Schlossanlage. Genaue Angaben, welche Gebäudeteile von den Arbeiten betroffen waren, gibt es aber nicht. Namhafte Architekten und Baumeister der Renaissance waren hier tätig, unter anderem der italienische Architekt Pietro Ferrabosco, die Baumeister Hans Tscherte und Hermes Schallautzer sowie der Steinmetz Benedikt Kölbl.
Aus dieser Zeit ist eine Darstellung erhalten, die vermutlich das Schloss noch vor den Umbauten zeigt. (Abb. 1) Es handelt sich um ein Fresko im Palazzo Vecchio in Florenz, das aus Anlaß der Hochzeit von Johanna von Habsburg mit Francesco de Medici im Jahr 1565 angefertigt wurde, offenbar aber auf eine etwas ältere Vorlage zurückgeht. Auf diesem Fresko ist der Uhrtrakt im wesentlichen in seiner heutigen Form zu erkennen, ebenso wie die äußere Umfassungsmauer mit den Türmen. Der Zöglingstrakt ist zwar noch nicht abgebildet, ist aber nach heutigem Forschungsstand wohl in der Bauphase Mitte des Jahrhunderts entstanden.
Den Quellen ist auch zu entnehmen, dass Maximilian II. (1564 - 1567) um diese Zeit auch die erste kaiserliche Menagerie in Ebersdorf einrichten ließ. Diese begegnet in den Quellen zuerst als Wolfsgarten, in dem Wölfe gehalten wurden, die bei Bedarf adeligen Gesellschaften als Jagdbeute dienten. Das erste exotische Tier in Wien war ein indischer Elephant, den der spätere Kaiser als Hochzeitsgeschenk aus Spanien mitbrachte. (Abb. 2) Daneben wurden nach verschiedenen Quellen auch Löwen, Tiger, Strausse und Bären gehalten und im Fundmaterial der Ausgrabungen konnten auch Kamelknochen nachgewiesen werden.
Die Wohnlichkeit des Schlosses wurde in dieser Bauphase erhöht, doch erhielt es im Gegensatz dazu, zumindest in den erforschten Bereichen, keine den Waffen der Zeit entsprechende, aufwendig errichtete bastionäre Befestigung. Die vorhandene Befestigung wurde, vielleicht aus Sparsamkeitsgründen, lediglich instandgehalten und geringfügig verändert. (Abb. 3) Die geringen Mauerstärken der Befestigung und kleinen Türme passen aber zum symbolisch-repräsentativen Charakter in der Übergangsphase von der Burg zum "festen Schloss" der Neuzeit.
In den 80er Jahren des 17. Jh. wurden der Kanzlei- und der Südtrakt in einheitlicher Form neu gebaut und die Kapelle errichtet. Auch die Fassadengliederung, wie aufgeputzte Eckquader, Geschoßbänder und Flächenmusterung, stammt aus der Zeit nach 1683. Dies geschah wahrscheinlich unter Leopold I., dessen Initialen sich noch heute auf dem Doppeladler über dem Hauptportal finden.
Die Umbaumaßnahmen in dieser Zeit sind durch zwei Abbildungen des Schlosses gut fassbar. Ein Stich in der Topographie von G. M. Vischer aus dem Jahr 1672 zeigt das Schloss noch mit der älteren, aus mehreren Gebäuden bestehenden Verbauung an der Ost und Südseite, Uhrtrakt und Zöglingstrakt sind in den heutigen Dimensionen zu erkennen. (Abb. 4)
Um 1723 datiert ein Stich nach einer Zeichnung von Salomon Kleiner. Dieser zeigt, neben den neu errichteten Trakten und der auch heute noch vorhandenen Fassadengliederung, ein weiteres interessantes Detail: vor der Südfassade des Uhrtraktes ist eine Freitreppe zu erkennen, die direkt in den ersten Stock des Gebäudes führt. Diese Darstellung kann durch eine Reisebeschreibung von Johann Basilius Küchelbecker aus dem Jahr 1732 und durch die Grabungen, bei denen die Fundamente der Treppe gefunden wurden, bestätigt werden. (Abb. 5)
Trotz dieser großzügigen Umbauten verloren die Habsburger in der Folge das Interesse am Schloss Kaiserebersdorf und unter Kaiserin Maria Theresia fand schließlich 1745 eine kurzfristige Umwidmung in ein Armenhaus statt. Josef II quartierte 1773 das Militär ein und bis ins frühe 20. Jh. wurde der Bau als Kaserne und Depot genutzt. Mit der Einrichtung einer Jugendstrafanstalt begann in den 20er Jahren das bisher letzte Kapitel des Abstiegs von der Kaiserresidenz zum nüchternen Gefängnis - Zweckbau.
Seit 250 Jahren finden somit Umbaumaßnahmen statt, die ohne Rücksichten auf den historischen Kern das Gebäude für den jeweiligen Zweck adaptieren. Einzig das Hauptportal und der barocke Stuckdekor der Kapelle lassen heute noch erahnen, wieviel an Ausstattung in dieser Zeit verlorenging.

(Projektteam Kaiserebersdorf, Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie)