|
|
|
|
Reste der
mittelalterlichen Burg Ebersdorf
Schloss und Pfarrkirche von Ebersdorf befanden sich über Jahrhunderte
gleichsam auf einer "Insel", zwischen Wildbach und Schwechat,
und waren somit vom Ort Ebersdorf getrennt. Massive Eingriffe in die Landschaft
ließen im 20. Jh. diese Flußläufe von der Oberfläche
verschwinden, so daß sie heute nur noch in alten Karten zu finden
sind. (Abb. 1)
Wann genau die Burg Ebersdorf errichtet wurde, ist nicht bekannt, eine
Urkunde belege aber die Existenz einer Burg mit Graben und Mauern im dritten
Viertel des 13. Jahrhunderts: 1269 übergab in seinem Testament Konrad
von Himberg-Ebersdorf an seine Söhne, Markward, Reinprecht und Chalhoch
seine Burg Ebersdorf und seinen Besitz in Ebersdorf.
"...CASTRUM MEUM IN EBERSDORF TOTUM, SECUNDUM QUOD EXTERIUS FOSSATUM
PROTENDITUR CONTIGUUM ANTEMURALI..."
Derselbe Konrad und sein Bruder Ulrich III mußten 1243 ihr Lehensgut
mit dem Stammwohnsitz Himberg an den Babenbergerherzog Friedrich II.,
den Streitbaren, abtreten und Konrad scheint danach Ebersdorf als Herrschaftsmittelpunkt
gewählt zu haben, weil er sich bereits 1252 in einer Urkunde nach
Ebersdorf nennt. Spätestens zu dieser Zeit muß er also dort
einen Wohnsitz gehabt haben. Einen Hinweis auf die Befestigungsanlagen
liefert eine Teilungsurkunde aus dem Jahr 1401, die auch die Fischereirechte
in der Schwechat und dem Wassergraben der Burg behandelt. (Abb. 2)
Konkrete
Hinweise auf einzelne Bauteile der Burg sind den Schriftquellen jedoch
nicht zu entnehmen und im vorliegenden Fall ist es auch schwierig, diese
Daten archäologisch zu verifizieren: Die Keramikdatierungen sind
nicht fein genug, dendrochronologische Datierungen waren nicht möglich
und es gibt zu wenige datierbare Schichten, die auch bei der Mauerchronologie
weiterhelfen können.
Die Bauforschung kommt jedenfalls zu dem Ergebnis, daß einige der
verwendeten Baumaterialien, die Struktur des Mauerwerks und die Funde
Indizien liefern, die auf eine Datierung in das ausgehende 13. bzw. 14.
Jahrhundert weisen. Auch die Anlage der Befestigung mit der äußeren
Umfassungsmauer, Palisade und Wassergraben, sowie dem ummauerten, inneren
Wassergraben scheint in mittelalterlichem Stil gehalten zu sein, eine
genauere Datierung der ältesten Baureste ist aber nicht möglich.
Innerhalb
des Uhrtraktes sind Hinweise auf die Reste einer Burg aus dem 13. Jahrhundert
ebenfalls rar, die vorliegende Fundmenge ist zu gering, um als Nachweis
für eine so frühe Bautätigkeit gelten zu können. Die
Maueruntersuchungen, die verwendeten Spolien und die gefundenen Keramik
erlauben die Datierung von Teilen des Uhrtraktes in das frühe 14.
Jh. Diese bilden einem quadratischen Kernbau, bestehend aus dem Ostteil
des Uhrtraktes mit einer anschließenden Ringmauer, die sich in Mauerwerksabschnitten
des Nord-, West- und Südteiles erhalten hat. (Abb. 3)
Dieser Kernbau war vermutlich bereits vom inneren Wassergraben umgeben,
da sich die Fassaden des Uhrtraktes und die Mauern des inneren Grabens
aufeinander beziehen und fast parallel zueinander verlaufen. Überdies
weisen die Uhrtrakt Nordmauer und der Kern der inneren Grabenmauer denselben
Mörtel auf, ein weiteres Indiz für die Gleichzeitigkeit.
Möglicherweise
stecken jedoch bereits in diesem Kernbau ältere Bauteile, als Überreste
einer Vorgängeranlage aus dem 13. Jahrhundert, wie etwa die inneren
Grabenfuttermauern des inneren Wassergrabens. (Abb. 4) Auch die Buckelquader
der äußeren Stützmauer dieses Grabens könnten aus
einem Vorgängerbau stammen und als Spolien wieder verwendet worden
sein.
(Projektteam
Kaiserebersdorf, Forschungsgesellschaft
Wiener Stadtarchäologie)
|