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10. Mai 2005 wurde im Rahmen von Baustellenprospektionsfahrten auf einem
Grundstück gegenüber Unterlaaer Straße No. 26 die Einrichtung
einer Baustelle beobachtet und in der Folge beim Abschieben des Humus
Verfärbungen im anstehenden Boden festgestellt. Der Baustellenbetreiber,
ein privater Unternehmer, wurde umgehend informiert und vom 17.Mai bis
zum 2. Juni wurden die bereits sichtbaren Befunde in einer auf insgesamt
5 Tage terminisierten Notgrabung untersucht.
Auf dem etwa 130 x 8 Meter großen Grabungsareal konnten 47 Verfärbungen
dokumentiert werden. Es handelte sich dabei ausschließlich um Siedlungsbefunde,
die nach erster Bearbeitung in die späte Bronzezeit, die Urnenfelderkultur
zu datieren sind. Sechs Pfostenreihen, jeweils in zwei parallelen Linien
angelegt, ergaben insgesamt drei Langhäuser in Leichtbauweise. Die
neun südlich davon gelegenen Gruben waren im Planum von
runder bis
ovaler Form und wiesen mit 1,15 bis 2,60 m unterschiedliche Durchmesser
auf. Auch die Tiefe variierte von 0,40 m bis 1,60 m. Gemeinsam war ihnen
allen das für diese Zeit typische ausgebauchte trichterförmige
Profil und die Verfüllung: homogenes humos-lehmiges Sediment, das
neben Keramik und Tierknochen recht viel an Hüttenlehm enthielt;
lediglich aus einer dieser Gruben konnte auch ein relativ einfach gefertigter
Ring aus Bronze geborgen werden. Herausragend war
das am südlichsten gelegene Objekt mit einer Größe von
6 x 4 Metern und 1,60 Metern Tiefe. In der südöstlichen Ecke
konnten große Mengen an gebranntem Lehm, zum Teil in massiver Plattenform
geborgen werden, sie weisen auf den Versturz eines Ofens
innerhalb der Grube hin. Auf der Sohle dieses Versturzes fand sich eine
kleine, aus Lehm geformte Handplastik, die
vielleicht kultischen Zwecken gedient haben mag. Ansonsten enthielt die
Verfüllung den üblichen Siedlungsabfall: viele Keramikbruchstücke,
die ebenfalls in die frühe Urnenfelderkultur weisen, einige Tierknochen
und ein kleines Fragment einer Doppelkopfnadel
aus Bronze.
In den letzten Jahren haben sich an verschiedenen Stellen Belege für
die beinahe kontinuierliche Besiedlung des Gebietes am Liesingbach von
der Bronzezeit bis zum Frühmittelalter ergeben, der jetzige Fund
reiht sich an prominenter Stelle in diese Befunddichte ein.
Karin Traunmüller
(E.H.
Huber, Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie)
Fotos: Rudi
Huber, Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie
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